Unter dem Dach des Verkehrswissenschaftlichen Institutes befinden sich die Lehrstühle von Herrn Prof. Dr.-Ing. N. Nießen (Lehrstuhl für Schienenbahnwesen und Verkehrswirtschaft) und Herrn Prof. Dr. rer. nat. J. Reichmuth (Lehrstuhl für Flughafenwesen und Luftverkehr).

Das Verkehrswissenschaftliche Institut der RWTH Aachen (VIA) arbeitet schwerpunktmäßig in den folgenden Forschungsgebieten:

Lehrstuhl für Schienenbahnwesen und Verkehrswirtschaft

Aufgabe der Eisenbahnbetriebswissenschaft ist es, die Betriebsabläufe der Eisenbahn mit wissenschaftlichen Methoden zu untersuchen, mit Hilfe von Modellen zu beschreiben und daraus Schlussfolgerungen für:

  • die Betriebsführung
  • das Fahrplanwesen und das Trassenmanagement
  • die Infrastrukturplanung und
  • die Netzplanung

der Eisenbahn abzuleiten. Basierend auf den am VIA entwickelten eisenbahnbetriebswissenschaftlichen Modellen ist eine Reihe von speziellen Softwarelösungen entstanden, die insbesondere bei der Deutschen Bahn AG in deren Produktionsprozessen angewendet werden. Auf Basis dieser Software-Tools bietet das Verkehrswissenschaftliche Institut auch eigene Consulting-Leistungen an.

Das Verkehrswissenschaftliche Institut verfügt über eine Eisenbahn- technische Lehr- und Versuchsanlage (ELVA), die neben der Aus- und Weiterbildung auch für Forschungs- und Entwicklungsprojekte auf dem Gebiet der Signal- und Sicherungstechnik genutzt wird. Neben älterer Technik, die hauptsächlich in der Ausbildung zum Einsatz kommt, ist an der ELVA auch ein Relaisstellwerk und ein ESTW für Versuchs- und Testzwecke vorhanden.

Der Forschungsbereich Verkehrswirtschaft basiert auf der Entwicklung eines Verkehrswiderstands-Modells für den Personenverkehr. In diesem Modell werden die Angebotsmerkmale der verschiedenen Verkehrsträger in Form von Verkehrswiderständen modelliert. Verkehrswiderstände sind einerseits abhängig von den objektiv messbaren Merkmalen von Verkehrsangeboten (Kosten, Zeiten), beinhalten aber andererseits auch eine Komponente zur Beschreibung der subjektiven Bewertung dieser Angebotsmerkmale. Mit Hilfe dieses Modells können zum Beispiel Auswirkungen von Angebotsänderungen (z.B. Taktverdichtung, Pünktlichkeitserhöhung, Preisänderungen) auf die Verkehrsaufteilung (modal split) und die Verkehrserzeugung am Verkehrsmarkt berechnet und bewertet werden. Anwendung findet das Verkehrswiderstands-Modell u.a. im Rahmen des Software-Tools PNV-Split. Dieses Tool kommt auch für verkehrswirtschaftliche Beratungsleistungen zum Einsatz.

Lehrstuhl für Flughafenwesen und Luftverkehr

Einen Forschungsschwerpunkt des Lehrstuhls stellt die "Urban Air Mobility" dar. So forscht der Lehrstuhl innerhalb verschiedener Forschungsprojekte an zukünftigen Mobilitätskonzepten in der Luftfahrt. Themen sind hier unter anderem die rechtlichen Rahmenbedingungen sowie die Gestaltung von Landeinfrastrukturen für neuartige Luftfahrzeuge. Dabei werden sowohl Mobilitätskonzepte für einen individualisierten Personenverkehr als auch für einen Frachttransport beleuchtet. Auch die Integration neuer Infrastrukturen in bestehende Verkehrslösungen stellt einen zentralen Aspekt dar. Zur genaueren Untersuchung und zur Visualisierung der neuartigen Luftverkehrslösungen verwendet der Lehrstuhl die Simulationssoftware AnyLogic.

Das weltweit anhaltende Wachstum des Luftverkehrs hat insbesondere in den letzten Jahren einen verstärkten Blick der Öffentlichkeit auf die Umweltauswirkungen des Luftverkehrs durch die Emission gasförmiger Luftschadstoffe und Partikel gelenkt. Neben dieser geführten Diskussion zu globalen Auswirkungen des Luftverkehrs führt der reguläre Flugbetrieb an und um Flughäfen schon länger zu Belastungen der umliegenden Kommunen. Insbesondere in diesen Bereichen ist eine Abwägung der Auswirkungen von unterschiedlichen Lärmschutzmaßnahmen unerlässlich. Denn auch wenn der Gesamtlärm, der von Flughäfen erzeugt wird, trotz des Wachstums des Luftfahrtsektors zurückgeht, nimmt die Zahl der Menschen, die sich durch den Flughafenbetrieb gestört fühlen, ständig zu.